From here to the surgery pt.II: 2 weeks after = 2 weeks before

4 Nov

Etwas mehr als 2 Wochen nachdem ich erfahren habe, dass die OP schon im November durchgeführt wird, und damit auch etwas weniger als 2 Wochen bevor sie durchgeführt wird. Wie waren die letzten 2 Wochen und wie werden die nächsten Tage?

Sie waren mit vielen Gedanken verbunden. Und mit Bronchitis. Ich hab ja immer schlimm husten, aber dass ich innerhalb von 8 Wochen zwei mal jeweils 3 Wochen so am Arsch bin, das kenne ich auch nicht. Schlaflosigkeit und daheim gammeln war angesagt. Aber wenigstens konnte ich einige Dinge erledigen und mich mental vorbereiten. Und lasst mich nicht lügen: Mit viel essen. Na klar, ich meine, bald ist halt Schluss und das fuckt mich ein bisschen ab. Okay ein BISSCHEN ist maßlos untertrieben. Ihr müsst euch das so vorstellen:

Essen ist seit ich zurückdenken kann ein großer Punkt in meinem Leben gewesen. Essen war lecker, ich hab schon seit ich denken kann gerne viel gegessen. Und nicht nur das, essen ist mehr als nur sättigend oder lecker. Essen braucht keine Erklärungen. Es war ihm egal, wie ich aussah, wie scheiße ich mich fühlte. Essen war immer da. Es hat nicht nachgefragt.  Es hat mir immer mehr angeboten, ist nicht weg gegangen, hat mich nicht alleine gelassen und mich getröstet.
Wenn man dick ist gilt man für die meisten einfach nur als faul und disziplinlos. Aber es kann eine Sucht sein.  Ich hatte mal einen Freund, der frisch aus dem Alkoholentzug kam. Er hat mir genau das geschildert, was ich in meiner Essstörungszeit so gedacht und gefühlt habe. Ich brauche nicht in der selben Lage gewesen zu sein um einigermaßen nachempfinden zu können, wie es sein muss, Alkohol- oder Drogenabhängig zu sein oder in einer dysfunktionalen Beziehung.
Der Supermarkt war mein Dealer, ich hab mein Geld hingebracht und er hat mir dafür meinen Kick gegeben. Die Esstörung war mein Freund, der mich immer an der kurzen Leine hielt und psychisch verprügelt hat, so lange bis ich wieder gemacht habe, was er wollte. Die Depressionen haben mir erzählt, was ich für ein beschissenes Stück Scheiße bin, und so bin ich wieder zum Dealer und zum gewalttätigen Freund.

Meine ersten Erinnerungen an Diäten liegen in der ganz frühen Pubertät. Ich weiß noch wie ich vor den Sommerferien gedacht habe, dass ich in den Sommerferien abnehmen muss, damit der Junge mich mag. Damit hat es angefangen. Ich weiß auch noch ganz genau wie es sich angefühlt hat, 13, 14 zu sein und ein Junge den ich süß fand sagte mir, er würde mit mir gehen wenn ich dünner wäre. Als ich meine erste längere Beziehung hatte als Teenager hatte mein Freund eine Verehrerin, die ständig anrief. Einmal ging er dran und sagte ihr, dass er eine Freundin hat und kein Interesse hat. Sie sagte dass sie das wüsste, sie hätte die Dicke schon mal gesehen.
So ganz lässt einen so etwas wohl doch niemals los.  10 Jahre Psychotherapie (mit Pausen) zeigen schon ihre Wirkung, aber bei jeder Diät, bei jedem verlorenen Kilo wurde ich wieder panisch – und bekam für jedes verlorene Kilo 2 dazu. Und in wenigen Tagen ist damit Schluss. Mit Gewalt schiebe ich einen Riegel davor, weil ich keinen anderen Ausweg weiß. Ich werde mich zwingen, weniger zu essen, weil ich es sonst nicht schaffe und mich womöglich zu Tode esse.

Und wisst ihr was? Ich bin jetzt bereit hierzu. Es ist keine Verzweiflungstat, es ist ein Entschluss, über den ich seit über einem Jahr nachgedacht habe. Und egal, wie oft ich Angst und Zweifel hatte, ich kam nie auf ein anderes Ergebnis als: TU ES!

Auch in den letzten beiden Wochen. Ja, ich habe Angst, was passiert, wenn ich nicht mehr essen kann. Wenn Essen kein Ventil mehr ist. Ich weiss nicht was passieren wird! Aber ich fühle mich stabil, ich fühle mich stark, ich fühle mich sicher, auch wenn es schwierig werden kann. Ich sehe all das, was besser werden könnte (dazu vielleicht mal ein anderer Post) und keine Nebenwirkung ist so schwerwiegend, dass es mich davon abhalten könnte. Das ist mir in den letzten Wochen nochmal klar geworden.

Letzten Donnerstag hatte ich eine Magenspiegelung. Also mal ehrlich, das war das widerlichste was ich jemals mitgemacht habe! Hatte von euch schon mal jemand eine? Ohne Narkose? Also ich möchte ja wirklich nicht ins Detail gehen, aber ich hab mich hinterher beim Arzt entschuldigt, weil ich es so ekelhaft fand!! Zum Glück waren die alle superlocker drauf, aber das muss man glaube ich auch, wenn man sich den ganzen Tag Mägen anschaut und sich dabei angerülpst und angespuckt wird!
Und eines ist mir auch klar geworden die letzten Tage: Ich habe die letzten Monate sehr viel gegessen. Aus Angst, weils ja bald nicht mehr geht. Selbst wenn ich keinen Hunger hatte. Ich kann jetzt aus Überzeugung sagen, ich freue mich darauf, bald wieder ein Sättigungsgefühl zu verspüren. Ich freue mich darauf, weniger zu essen. Weil es mir keinen Spaß mehr macht und mir nichts mehr gibt. Es ist nur die Gewohnheit und die Angst, diese loszulassen.

Aber loslassen muss ich.  Übermorgen startet mein Proteindiätprogramm. Mir wurden Proteinshakes und so n Kram vorgeschlagen. Aber nach Rücksprache mit dem Chirurgen kann ich auch “einfach nur” 900 kcal ohne Kohlenhydrate essen. Mir kam schon fast die Kotze nur vom Gedanken daran, wieder diese Shakes saufen zu müssen. Aber Riegel werde ich mir kaufen. Ich erinnere mich noch dran. Die haben zwar nach Pappe geschmeckt, aber ich war stundenlang so was von satt von dem Zeug. Und das kann ich gut gebrauchen die nächsten 10 Tage. Außerdem habe ich schon meine erste Ladung Vitaminpräperate geschickt bekommen. Ich habe ein Gratismuster angefordert. In Zukunft kann ich einfach für einen ganzen Monat bestellen und die schicken mir einfach jeden Monat das, was ich benötige. Ich finde das super. Ich muss auch nur 2 Tabletten schlucken!

Ein Multivitaminpräperat und eine Calciumtablette. Ich bin echt froh, dass es einem so leicht gemacht wird und ich nicht 100 Sachen fressen muss. Preislich liegt der Spaß bei etwa 40 Euro im Monat, die Krankenkasse kommt dafür nicht auf.
Sie kommt auch nicht komplett für die Kompressionsstrümpfe auf, die ich benötige. Ich glaube, mein Sanitätshaus hasst mich schon, so oft wie ich dort war und immer wieder darauf bestanden habe, dass ich so wenig möglich draufzahlen möchte. Aber bitte, wer will schon 100 Euro (!) für ein paar Strümpfe drauflegen, die vielleicht ein paar Wochen passen? Pffffff!!!

So und nachdem ihr jetzt ganze 1000 Worte gelesen habt bedanke ich mich mal wieder für das Interesse und den Support. Ich hoffe ihr seid mir nicht sauer, wenn ich vielleicht mal nicht immer gleich antworte oder so. Ich freu mich über so viel Zuspruch, aber bin in manchen Momenten auch etwas überfordert. Aber ich freue mich über jede Nachricht und bin immer wieder überrascht, wie viele Leute sich hierfür interessieren. Ich schreibe es auf, auch wenn es manchmal hart ist. Aber ich hoffe, dass es manche Leute vielleicht dazu bringt, mehr darüber nachzudenken. Dicke Menschen nicht einfach abzustempeln als faul und dumm. Denkt nach, bevor ihr etwas verletzendes sagt oder bevor ihr “einen guten Tipp” geben wollt. Jeder hat sein Päckchen zu tragen – und ich trage es eben für jeden offensichtlich am Körper.

Dann bis zum nächsten Post, vermutlich während der Eiweißphase, in der ich vermutlich kotzen könnte und sogar Gartenstühle und kleine Kinder fressen würde🙂

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It’s been a little over 2 weeks now since I got my date for the surgery – and a little less than 2 weeks to go until that day comes. So today I’ll tell you how the past weeks have been and what awaits me in the days to come.

I’ve done a lot of thinking in the past weeks. And a lot of coughing. I’m used to having a bad cough regularly, but 2 bad coughs within 8 weeks has been a complete nightmare. Not much sleep, lots of coughing and mainly sitting on my ass at home. But I could also do a lot of thinking as I told you and I got a couple of things done in the meantime. Such as a gastroscopy. I don’t want to go too much into detail, if you have had one as well without any narcotics, then you know what I’m talking about. What a nasty and disgusting experience! I told the doctor afterwards how I felt sorry for him to be burped and drooled at every day at work😉 But don’t let me fool you, I also ate a lot. Mainly because soon I can’t anymore and that bums me out quite a bit.

Since I can remember food has been a big deal for me. Food was yummy, I remember loving to eat. It was not only because I was hungry or because it was tasty, food was always more to me. Food did not ask for explanations. Food didn’t care how I look or how bad I felt. It was always there, never questioned me, always offered me more than I needed. Never left my side, never let me down.

To many people, a fat person is merely lazy and undisciplined. But it’s an addiction as well.
I used to have a “friend” who got out of rehab because he used to drink. He had the exact same symptoms and feelins about drinking as I did about eating. I don’t have to be an alcoholic, drug addict or victim of domestic violence to be able to imagine how it feels.
The supermarket was my dealer. I brought my money there and I was given my drug. The eating disorder was a friend, who was always there – and who mentally clobbered me when I was not doing as he wished. The depressions told me what a worthless piece of shit I was, so I fled back into the arms of the abusive friend, who fed me.

I have always dieted. As soon as I hit puberty and this boy told me, he would go out with me if only I was thinner. I spent all my summer vacation thinking how I would have to lose weight so a boy would like me.
My first real boyfriend got called by a girl who liked him. He told her sorry, I’m taken – and she said I know, you’re going out with the fat one.

Times does not heal all wounds. 10 years of therapy helped me a lot but I could never manage to lose my weight, and gained and gained. As soon as I start losing weight I panic. And now I’m doing it the hard way. I don’t know what will happen. Will I freak out? Possibly. But I don’t see another way. I’m not doing this just because I’m desperate, but because I’m ready. Because I can’t take it anymore. And I don’t want to eat myself to death. In the past year I could think of nothing that could be bad enough to not make me do this. I feel strong and confident right now.

Well most of the time. I still ate a lot in the last few weeks. Because I still can. And because it felt like I had to. Truth is, I didn’t feel any satisfaction by it. Worse, I forgot what I ate and how it tasted. I can’t wait to feel full again. I really look forward to not eating so much anymore. I never ever thought this before.

The day after tomorrow I will start with a protein diet. I was supposed to drink protein shakes, but just remembering how they tasted made me want to hurl. The surgeon said I could also do a protein diet, 900 calories, no carbs. I will buy a couple of those protein bars tomorrow though. They tasted like paper, but they made me feel full for hours, and I’m going to need that feeling.

Also I got my first load of vitamins, see picture in the german text🙂 It’s a vitamin pill and a calcium pill. I will only need one vitamin and up to 3 calcium pills a day. I expected a lot worse!! I’m glad it’s not so difficult. The insurance doesn’t pay for them, they will cost me about 40 euros a month. That’s alright I guess. Could be worse. Also I have to pay quite some money for the compression stockings because the insurance does not pay all of it. It annoys me, but what can I do, just breathe and pay up, right?

Again, I want to thank you for reading this and for supporting my journey. Thank you for your interest and your messages. Sorry if sometimes I don’t reply right away, there’s quite some stuff on my mind right now🙂

I am writing all of this down hoping, that you might not be so judgmental (anymore) about fat people. We all have our problems and weak points and mostly it’s not just laziness and lack of discipline. Think twice before you say something hurtful! Thank you🙂

One Response to “From here to the surgery pt.II: 2 weeks after = 2 weeks before”

  1. maricke November 4, 2013 at 5:07 pm #

    Zo mooi geschreven meis! En heel herkenbaar voor mij. Ik ben trots op je! En ik ben blij dat we het samen kunnen delen ook al wonen we zo ver uit elkaar. Zal veel aan je denken de komende tijd!! xxx

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