Krankenhausbericht Teil 1: Die letzten Momente / Hospital part 1: The last moments with a normal sized stomach

26 Nov

English version see below, my dear non-german friends🙂

Es ist nun 12 Tage her, seit ich operiert wurde. Was ist passiert seitdem?

Die Einweisung begann schon desaströs.
Nachdem ich von der Ernährungsambulanz kam (gewogen, Körperfett- und -wasser gemessen, mir angehört, was ich in Zukunft alles nicht darf) erfolgte endlich die Einweisung. Ich saß im Büro der netten Dame bei der Aufnahme und – es fehlte ein Dokument. Ohne diesen Brief der Krankenkasse könnte sie mich nicht einweisen. Da bin ich erst mal in Tränen ausgebrochen. Das konnte doch nicht wahr sein! Ein verdammtes Jahr dreht sich alles NUR um diese OP, Papiere, Termine, Gutachten, Unterschriften – und DIESES Dokument hatte ich vergessen? Das war zu viel erstmal.
Glücklicherweise erinnerte ich mich an den Sachbearbeiter meiner Krankenkasse. Die Dame rief bei ihm an und ließ es sich zufaxen. Was für ein Glück!!

Danach kam ich dann erstmals auf die Station. Von meinem Mann musste ich mich verabschieden und mir wurde die Endgültigkeit meines Beschlusses bewusst. Meine Zimmernachbarin war auch nicht gerade die angenehmste. Es ist natürlich richtig scheiße über jemanden herzuziehen, der todkrank ist. Aber ich kann einfach nicht unerwähnt lassen, wie unerträglich diese Frau stöhnte. Bei jedem Atemzug. Ich machte schnell ein Hörbuch an, aber zwischen den Zeilen hörte es sich an, als würde ich 

neben einem Puff wohnen. Also schnell was anderes angemacht.
Kurz darauf wurde ich abgeholt zum “Fotografieren”. Darunter konnte ich mir gar nichts vorstellen. Aber wie man es sich schon denken kann, ich wurde einfach nur fotografiert. Nackt. Oh super!! Genau was man sich so wünscht, als übergewichtige Frau. Von einem wildfremden Mann nackt fotografiert zu werden. Wobei mir eher der Fotograf leid tat. Ich meine, da machste ne Ausbildung in nem kreativen Beruf und landest dann in einem großen Fotolabor und fotografierst adipöse Menschen in den immer gleichen Posen vor einer OP.
Später am Nachmittag kam ja auch nochmal Besuch und ich kam nochmal raus aus dem Zimmer, Glück gehabt. Nichts destotrotz, danach ging es leider wieder auf mein Zimmer. Die Frau stöhnte und ich wurde traurig, wie so oft im Krankenhaus. Ich fühlte mich klein, allein und ich vermisste meinen Mann so sehr. Ich hätte noch eine Suppe essen dürfen abends, aber die war ziemlich eklig und überhaupt, was solls. War doch eh egal jetzt.

Am nächsten morgen wurde ich um 4:44 geweckt, mit einer Kanne stark gesüßtem Tee. Den sollte ich bis 5:30 trinken, um meinen Blutzuckerspiegel hochzuhalten während der OP. Ich trinke ECHT langsam und eine Kanne in 45 Minuten ist für mich ganz schön viel. Ich schenkte mir also zwei Tassen ein, setzte mir ein Zeitlimit und sobald eine Tasse leer war goß ich sofort nach. Bis genau 5:30 war ich fertig. Und schlief noch einmal ganz kurz ein.
Dann wurde ich geweckt mit einem Krankenhaushemdchen und einer Beruhigungstablette. And so it begins, dachte ich.
Ich hielt ein letztes Mal das Handy in der Hand, schrieb meiner Schwester zurück und meinem Mann. Dann machte ich es aus und wurde aus dem Zimmer geschoben. Der Weg durchs Mannheimer Klinikum ist endlos. Und kalt.
Beim Narkosearzt angelangt musste ich mich auf einen harten OP Tisch legen. Da begann es schon, mir im Rücken zu schmerzen.
Der Arzt wollte mir einen Schmerzkatheter legen. Klingt nicht cool – und ist es auch nicht. Auf dem OP Tisch sitzend, die Schultern hängend, machte sich der Arzt an meinem Rücken zu schaffen, wo dieser Katheter gelegt wird. Das fühlte sich nicht wirklich schön an, anscheinend habe ich ein paar mal gezuckt oder mich zu viel bewegt. Ehrlich gesagt hab ich das gar nicht gemerkt, ich saß da und wollte einfach nur aus dieser unbequemen Pose raus und gab alles, mich so hinzusetzen und so ruhig zu bleiben, wie man mir sagte. Es funktionierte anfangs einfach nicht und der Arzt begann, mich anzumeckern. Innerlich war ich des Teufels. Ooooh entschuldigen Sie mal, der feine Herr Doktor, dass ich zucke, wenn Sie mir eine Riesennadel in den Rücken stecken wollen, während ich unbequem und mit Rückenschmerzen vor Ihnen sitze, kurz vor einer OP die mein Leben nach 20 Jahren Übergewicht verändern wird und ich weiß noch nicht in welche gottverfluchte Richtung!!!!

Hass entspannt mich. Die Nadel saß. Ich lag auf dem Tisch. Ich hatte eine Maske auf. Meine letzten Momente mit einem normalen Magen.

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It’s been 12 days since my surgery. So what’s happened in the meantime?
Day 1 was a complete desaster. After being measured, weighed and told a lot of things I’m not supposed to eat/drink anymore in the future I was ready. I went to the reception with my file and that’s where it started. My file missed one document. The most important document of them all: That my health insurance will pay for this surgery. She could not accept me without this document. That was too much for me. I started crying in front of everybody!! I mean, for over a year everything in my life has been about this surgery. Doctors, visits, documents. And on THIS day I leave a document at home. I just could not believe it.
Thank goodness, I remembered the name of my contact person at my health insurance. She gave him a call, he gave her a fax. PHEW!!!!!!!

I was shown to my room and I had to part from my husband. I found this so very hard and I felt lonely immediately.
A few minutes later though I had to go to be photographed. I think that job is equally awkward for the obese person (who can’t think of anything less comfortable than standing in the spotlight and being photographed by a stranger) as it is for the photographer (come on, nobody wants to become a photographer to take pictures of fat people in hospitals!).
I know it’s mean and unfair to complain about people who have severe illnesses…but the lady I shared my room with made terrible noises. I was listening to an audio book and she was moaning…it was like people doing it next door. I was so glad to have a friend visit me in the afternoon so I could get out of there!
In the evening I was allowed to eat a soup, but it looked blergh, so I passed. Whatever, you know, it’s the day before surgery…so I just lay there, feeling miserable and alone.

The next morning 4:44. They woke me up with a thermos full of sweet tea. I was suposed to drink it within 45 minutes to keep my blood sugar high.
Around 8 they picked me up. I sent my last messages to family and friends, switched off my phone, put on the white hospital vest and took a pill. For relaxation. And so it begins, I thought.
The pushed my hospital bed through so many hallways, it was bright and cold.
I had to lie down on a cold metal table where they would insert a pain catheter in my back. They made me sit on that table, have my shoulders hang loosely and look down. I don’t know what I did wrong but apparently it didn’t work. The doctor told me several times to relax more and to not move. I didn’t even notice I’ve been moving, I just tried to do everything exactly as they told me but it just wouldn’t work! Then the doctor started to nag that it wouldn’t work if I acted like that. And I got really angry. Oh I’m sooo sorry mister important doctor, that I’m scared of that big ass needle you’re about to stick into my spine while I sit uncomfortably on a cold table with my back aching, just minutes before surgery that will change my life forever after 20 years of being fat!!!

Hate seems to soothe me. It worked. I was lying on a table, wearing a mask, breathing through it. My last moments with a normal sized stomach.

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