Krankenhausbericht Teil 2: Die ersten Momente / Hospital part 2: First moments

28 Nov

English version will follow, I promise, I’m just so tired🙂

Ich wachte auf um 15:05. Das weiß ich genau, weil das erste Geräusch was ich gehört habe eine Schwester war, die nach der Uhrzeit fragte. Ich machte die Augen auf. Yes! Ich bin wach! Ich lebe noch! Ich habe keine Schmerzen! Naja fast keine. Der Rücken!!!
Ich konnte sogar sprechen und bat die Schwester, mir die Lehne etwas höher zu machen. Als ich dann richtig wach war wurde ich auf die sogenannte Wachstation gelegt. Ich teilte mir den Raum mit 2 anderen Patienten und wir wurden von mehreren Pflegern und Schwestern betreut. Es war gegen 16:30 als ich ankam. Das weiß ich genau, weil der Fernseher lief und “Vier Hochzeiten und eine Traumreise” drauf war.
Obwohl ich immer noch Rückenschmerzen hatte ging es mir immer noch gut. Mein erster Besuch kam in Form meines Mannes. Mein Gott ich werde im Krankenhaus wirklich immer sentimental! Ich war so dankbar! Diesmal sogar ohne irgendwelche komischen Masken, nicht wie damals nach der Gallen OP. Ich konnte mich sogar im Bett bewegen, fast schmerzfrei! Während er da war konnte ich mich sogar schon einmal auf den Bettrand setzen. Nach der Gallen OP unmöglich! Ich konnte auch richtig plappern und ich war einfach glücklich.
Nach einer guten Stunde Besuchszeit aber ging mir die Energie aus. Ich freute mich auf einen hoffentlich ruhigen Abend. Aber die Nacht wurde zur Hölle.
20.15, ich hab dann gefunden, wo die Fernbedienung für die Scheiß-Glotze ist! HA! Also hab ich Voice of Germany angemacht. Das war aber nicht der Grund für meine Höllennacht😛
Ich ließ mir was geben für den Rücken. Es wurde nicht besser. Ich bekam Beruhigungsmittel, ich schlief ein. Ich wurde wach. Immer noch Voice of Germany drauf, also nur kurz geschlafen. Wieder gejammert und Schmerzmittel verlangt. Meine linke Hand wurde an Schmerzmittel “angedockt” und es brannte wie Feuer. Das sei normal, am Anfang. Aha. Okay. Ging ja wieder weg. Ich schlief wieder ein, wurde wieder wach. Immer noch Voice of Germany!!! Verdammt! Noch nicht mal elf und ich bin schon fertig mit den Nerven. Wieder gerufen, ein Kissen unter den Rücken gelegt bekommen und ein bisschen Zeugs draufgerieben. Eingeschlafen, aufgewacht…immer noch Voice of Germany. Gibt’s doch nicht!!! Von einer Seite drehte ich mich auf die andere, Bein ausgestreckt, Bein wieder angezogen, Bein aufgestellt. Nichts. Dann kam auch  noch die demente Frau Müller neben mir auf die Idee, ständig jemanden zu rufen, der nicht da war. Das tat mir unheimlich leid für Frau Müller und da mein Opa auch demenzkrank war, tat es mir auch ein bisschen weh im Herzen. Aber ich wollte doch einfach nur schlafen! Ich hab mich gleichzeitig schäbig gefühlt, schließlich ist die Frau sehr krank, so wie meine Zimmernachbarin.

Die Nacht war also eine Tortur und ich freute mich auf den Morgen, der viel zu lange auf sich warten ließ. Als er dann endlich da war durfte ich sogar kurz aufstehen und ich konnte mich selbst waschen! Yeah!! Noch ein bisschen wacklig auf den Beinen, aber es funktionierte.
Meine Eltern kamen, aber wurden wieder weggeschickt weil ich noch nicht fertig war. Pfleger Juri, der sich vorher von der dementen Frau Müller als “Dreckschwein” bezeichnen lassen musste (“Aber Frau Müller, Sie meinen doch sicher Glücksschwein, oder?”) fragte mich, ob meine Eltern keinen Job hätten, weil sie so früh am Tag schon da wären. Ääääh ja. Er hatte einen sehr seltsamen Humor, den ich einfach nicht teilen konnte.
Nach der Ärztevisite durfte ich endlich auf die Station, raus aus der Intensivstation und endlich durften meine Eltern und meine Schwester mich besuchen!!! Allerdings war ich da nicht mehr ganz so gut drauf, sehr mitgenommen und müde.
Die Tage danach liefen alle sehr ähnlich ab. Höllische Nächte mit Rückenschmerzen und maximal 1-2 Stunden Schlaf insgesamt (aber nicht am Stück, wäre ja noch schöner), mittags Besuch, der mich das ganze ein bisschen vergessen ließ, abends irgendeine ekelhafte Suppe, die ich meistens nicht gegessen habe, und morgens nach der Riesenpackung Tabletten das Gefühl, als hätte ich Backsteine gefressen.

Ich konnte schon nach kurzer Zeit einigermaßen laufen und mich selbst waschen, das war schon richtig schön. Die Schwestern waren zum Großteil wirklich sehr freundlich und geduldig mit mir. Ich war natürlich die, die das kleinste Problem hatte, auf einer chirurgischen Station, wo die meisten Menschen Krebs haben. Kein schönes Gefühl. Auch kein schönes Gefühl: Nachdem an Tag 3 der Blasenkatheter (örks, nur der Gedanke daran ist einfach nur örks!) entfernt wurde konnte ich wieder selbst alle Geschäfte erledigen. Allerdings tat mir der Rücken so weh, dass ich mich selbst kaum sauber machen konnte. Ein unglaublich entwürdigendes Gefühl, das mich sehr traurig gemacht hat. Diese Hilflosigkeit bin ich nicht gewohnt und ich bin lieber selbständig. Aber wie gesagt, die Schwestern waren sehr herzlich und gaben mir nie das Gefühl, zu nerven.

Die Frau neben mir im Zimmer war übrigens ziemlich nett und wir verstanden uns echt gut! Was nicht so gut lief war die Kommunikation mit ihrem Mann. Nicht, dass er direkt arschig zu mir oder  uns gewesen wäre, aber seine oft rassistischen und intoleranten Weltansichten waren nur unter Schmerzen zu ertragen und ich möchte die hier auch wirklich nicht wiederholen.

Die letzte Nacht biss ich nochmal die Zähne zusammen. Ich wollte UNBEDINGT montags aus dem Krankenhaus!! Ich lief nachts eine Runde auf dem Gang entlang, setzte mich auf einen der hohen Stühle, genoß es, dass der Schmerz kurz nachließ. Und schlief ein. Im Gang, auf einem Stuhl hatte ich den längsten Schlaf meines kompletten Krankenhausaufenthaltes. Ich erwartete die Visite und bekam erst zu hören, ich solle wegen der Rückenschmerzen noch einen Tag da bleiben. Zum gefühlt 3000sten Mal versuchte ich zu erklären, dass diese Schmerzen nur vom für mich viel zu harten Krankenhausbett kommen, in dem ich einfach nicht liegen kann! Der Arzt sagte es sei ein Krankenhaus, kein Gefängnis und nahm mir die letzten Schläuche aus dem Arm. Zum Frühstück gab es einen – tadaaa!! – Proteinshake. Ich kotze!!! Zum Glück sagte er dazu, dies sei freiwillig und ich müsse das nicht trinken. Sehr gut. Lieber trinke ich nur Tee als dieses Zeug zu saufen!

Nach dem Frühstück kam mein Chirurg. Er sagte, er wolle nur noch die Blutergebnisse sehen und dann könnte ich nach Hause. Innerlicher Jubel und Konfettiregen! Es dauerte danach allerdings noch über 8 Stunden, bis ich tatsächlich gehen konnte. Ich humpelte überglücklich (und mit den fettigsten Haaren aller Zeiten) der Freiheit entgegen!

Wie es danach weiterging erfahrt ihr im nächsten Teil🙂

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